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Bäume schützen – wirksam, einfach und zukunftsorientiert

Bäume schützen – wirksam, einfach und zukunftsorientiert

Positionspapier der Volt-Fraktion Leichlingen
Versionsstand: 15. September 2026

Bäume sind ein wichtiger Bestandteil einer lebenswerten und zukunftsfähigen Stadt. Sie schaffen Lebensräume und Nistplätze für Vögel, Insekten, Fledermäuse und Pilze, spenden Schatten, verbessern das Mikroklima und tragen zur Luftqualität und CO₂-Bindung bei. Besonders alte Bäume sind ökologisch wertvolle Lebensräume.

Auch private Gärten spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie können als „grüne Trittsteine“ zwischen Parks, Waldflächen und anderen Lebensräumen dienen.

Für Volt ist deshalb klar: Wir wollen wertvolle alte Bäume erhalten und gleichzeitig deutlich mehr neue Bäume in Leichlingen pflanzen.

Die Frage ist, welches Instrument dieses Ziel am wirksamsten erreicht.

Baumschutzsatzung: Gut gemeint, schwierige Umsetzung

Eine Baumschutzsatzung kann grundsätzlich verhindern, dass ökologisch wertvolle Bäume vorschnell gefällt werden. Bei genehmigten Fällungen können außerdem Ersatzpflanzungen oder Ausgleichszahlungen vorgeschrieben werden.

Gleichzeitig sehen wir erhebliche Zielkonflikte und praktische Probleme in der Umsetzung.

Falsche Anreize vermeiden

Ein präventiver „Fälleffekt“ ist nicht auszuschließen: Wenn Eigentümerinnen und Eigentümer wissen, dass ein Baum ab einer bestimmten Größe unter Schutz fallen könnte, kann der Anreiz entstehen, ihn vorher zu fällen. Gleiches gilt möglicherweise für die Zeit unmittelbar vor Inkrafttreten einer neuen Verordnung.

Auch die Bereitschaft, heute einen Baum zu pflanzen, könnte sinken, wenn damit künftig zusätzliche Genehmigungspflichten oder Einschränkungen verbunden werden.

Ein Instrument zum Baumschutz sollte nicht dazu führen, dass weniger Bäume gepflanzt oder junge Bäume vorsorglich entfernt werden.

Baumqualität statt alleiniger Stammdurchmesser

Ein pauschaler Schutz anhand von Baumart oder Stammdurchmesser wird der ökologischen Bedeutung unterschiedlicher Bäume nur begrenzt gerecht.

Wir wollen insbesondere heimische und klimaresiliente Arten fördern. Ökologisch problematische oder invasive Arten sollten nicht automatisch denselben Schutz genießen wie wertvolle heimische Bäume.

Eine gute Regelung müsste deshalb stärker die tatsächliche ökologische Bedeutung, den Standort und die Zukunftsfähigkeit eines Baumes berücksichtigen.

Rechtssicherheit und Verwaltungsaufwand

Besonders schwierig ist die Frage, wie notwendige Eingriffe geregelt werden sollen.

Was gilt bei:

  • akuter Gefahr für Personen oder Gebäude?
  • Erkrankung oder erheblicher Schädigung eines Baumes?
  • notwendiger Verkehrssicherung?
  • fachgerechten Pflegemaßnahmen und starken Kroneneingriffen?
  • zulässigen Bauvorhaben?
  • unzumutbaren Einschränkungen zulässiger Grundstücksnutzungen?
  • naturschutzfachlich sinnvollen Fällungen?

Je mehr Einzelfälle berücksichtigt werden müssen, desto komplexer wird die Anwendung. Für Verwaltung und Eigentümerinnen und Eigentümer braucht es jedoch ein einfaches, transparentes und rechtssicheres Verfahren.

Hinzu kommen Anträge, Vor-Ort-Prüfungen, Kontrollen und die Verfolgung von Verstößen. Gerade vor dem Hintergrund der begrenzten Kapazitäten unserer Stadtverwaltung müssen wir daher genau prüfen, ob der zusätzliche Verwaltungsaufwand in einem angemessenen Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen steht.

Vergleich: Auch das Verbot von „Schottergärten“ konnte in anderen Kommunen nicht wirklich erfolgreich umgesetzt werden (vgl. Leverkusen mit Blick auf Verwaltungsaufwand, Abgrenzungsfragen und Eigentumsrecht).

Unser Ansatz: Baumförderung statt mehr Bürokratie

Wir halten eine kommunale Baumfördersatzung bzw. ein Baumförderprogramm für einen zielführenderen Ansatz.

Statt in erster Linie zu verbieten, sollte die Stadt Anreize dafür schaffen, Bäume zu erhalten und neue zu pflanzen.

Denkbar sind beispielsweise:

  • finanzielle Förderung von Neupflanzungen,
  • Unterstützung bei der Auswahl geeigneter und klimaresilienter Baumarten,
  • Förderung und Beratung beim Erhalt wertvoller Altbäume,
  • Unterstützung fachgerechter Baumpflege,
  • Berücksichtigung von Obstgehölzen,
  • eine breit angelegte Informations- und Beratungskampagne.

Dabei sollte ausdrücklich berücksichtigt werden, dass auch ein heute junger Baum künftig ein wertvoller Altbaum werden kann.

Wir wollen alle Altersklassen fördern: Alte Bäume erhalten, junge Bäume wachsen lassen und neue Bäume pflanzen.

Die Stadt muss selbst vorangehen

Baumschutz ist nicht nur eine Aufgabe privater Grundstückseigentümer. Auch die Stadt sollte ihren eigenen Handlungsspielraum konsequent nutzen.

Wir wollen deshalb eine stärkere kommunale Strategie für Baumpflanzungen auf öffentlichen Flächen – etwa an Straßen, auf Plätzen, in Parks, an Schulen und auf weiteren geeigneten Flächen.

Dabei sollte der Baumbestand nicht isoliert betrachtet werden. Ein zusammenhängendes Grün- und Biotopverbundkonzept kann private und öffentliche Grünflächen miteinander verknüpfen und so zusätzlichen ökologischen Nutzen schaffen.

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Naturschutz und ehrenamtliche Strukturen sind dabei wichtige Partner!

Stadtraum zurückgewinnen

Auch unser Konzept „Stadtraum zurückgewinnen – Parkraum bündeln“ gehört für uns in diesen Zusammenhang.

Wenn Parkraum effizienter gebündelt wird, können öffentliche Flächen für andere Zwecke frei werden – unter anderem für Bäume, Grünflächen, Aufenthaltsbereiche sowie sichere Fuß- und Radwege.

So können wir die ökologischen und gesellschaftlichen Vorteile von mehr Stadtgrün unmittelbar mit einer besseren Nutzung des öffentlichen Raums verbinden.

Unsere Position

Volt Leichlingen unterstützt das Ziel, wertvolle Bäume zu schützen und den Baumbestand unserer Stadt deutlich zu vergrößern.

Eine klassische Baumschutzsatzung für den privaten Bereich sehen wir derzeit jedoch kritisch. Sie kann erheblichen Verwaltungsaufwand verursachen, rechtliche Abgrenzungsprobleme schaffen und unbeabsichtigte Anreize für Fällungen oder eine geringere Bereitschaft, neue Bäume zu pflanzen, setzen.

Unser Ziel erreichen wir aus unserer Sicht besser durch eine Kombination aus:

  • Baumförderung statt zusätzlicher Verbote,
  • Erhalt und Pflege wertvoller Altbäume,
  • Förderung junger und neuer Bäume,
  • Beratung und Aufklärung,
  • gezielter Auswahl heimischer und klimaresilienter Arten,
  • mehr Baumpflanzungen auf städtischen Flächen,
  • einem vernetzten Grün- und Biotopkonzept,
  • und der Rückgewinnung von Flächen im öffentlichen Raum.

Unser Anspruch ist nicht weniger Baumschutz, sondern mehr Wirkung:

Alte Bäume erhalten. Junge Bäume fördern. Neue Bäume pflanzen. Raum für Bäume schaffen.